Der Weg des Jägers

Wenn wir uns dem Töten nähern,
lernen wir, das Leben zu achten.

 

Wenn Sie schnell an einen Jagdschein gelangen wollen, um mit Trophäen an Ihrer Wohnzimmerwand Bekannte zu beeindrucken, sind Sie hier falsch.

Wenn Sie aber an der Jagd als einem der ältesten Handwerke der Menschheit interessiert sind, um sich mit dem Fleisch, den Häuten und Fellen, den Sehnen, Knochen und Geweihen von wildlebenden Tieren selbst versorgen zu können, dann sind Sie hier richtig.

 

Der Trend bei der Jagdausbildung geht heute immer mehr in Richtung Kompaktkurse. In Blockseminaren von manchmal nur 14 Tagen Dauer, wird in die Teilnehmer all das Wissen gepumpt, welches nötig ist, um die direkt anschließende Jägerprüfung zu bestehen. Ist das gelungen, dürfen sie sich Jäger nennen, Waffen erwerben und, wenn sie Gelegenheit dazu haben, die Jagd auch ausüben.
Aber sind sie jetzt auch Jäger? Was macht einen Jäger aus? Es heißt immer wieder, die Jägerprüfung sei das „grüne Abitur“. Auf das Abitur wird man jedoch in 12 Jahren Schulzeit vorbereitet. Den Jagdschein kann man heute in zwei bis drei Wochen erlangen!

Es ist gar nicht so lange her, da wurde man Jäger, weil es der Vater, der Opa oder der Onkel auch war. Als Kind schon hatte man diese bei der Jagd begleitet und vielfältige Erfahrungen gesammelt, bevor man endlich mit frühestens 16 Jahren die Jägerprüfung ablegen durfte. Diese Prüfung war dann die Krönung der jahrelangen Lehrzeit, eine Art Initiation. Nun war der junge Mensch berechtigt selbst das Leben eines Tieres zu nehmen – er war erwachsen.

Meist, und im ländlichen Raum wohl sowieso, hatten die Jungen schon viel früher mit einer Kleinkaliberbüchse oder Schrot Vögel oder andere Kleintiere geschossen, Lausbuben eben. Sie hatten erfahren, was es bedeutet, wenn nach dem Schuss das beschossene Tier, eben noch lebensfroh von Ast zu Ast hüpfend, nun leblos oder noch zuckend vor ihnen lag. Sie haben erfahren, wie es sich anfühlt, nach einem unglücklichen Schuss das Tier mit den eigenen Händen oder dem Taschenmesser töten zu müssen. Sie haben Erfahrung damit gemacht, was es heißt Leben zu nehmen.

Wissen

Neben der steten Vermehrung ihres Wissens um die Natur, das Wetter und das Verhalten der Tiere wurde nicht zuletzt auch das Herz der jungen Jäger lange Jahre darauf vorbereitet, nun, nach dem Ablegen der Jägerprüfung auch größere Tiere wie Reh, Wildschwein oder Hirsch aufzuspüren und zu erlegen. Dies geschah dann meist im seit Generationen bekannten Revier, im heimischen Wald oder Feld, dort wo sie aufgewachsen waren, wo sie jeden Baum und Strauch kannten – dort, wo sie verwurzelt waren.
Und heute? Wer das nötige Kleingeld hat, kann, wenn er den Wunsch verspürt, zwei Wochen Urlaub nehmen und sich in einem der oben erwähnten Kurse in gediegener Atmosphäre Lehrbuchwissen aneignen und seinen Jagdschein erwerben. Danach kann er sich dann von einem Geschäftspartner zur Jagd einladen lassen, vom sicheren Hochsitz aus den seit Wochen angefütterten Hirsch erschießen und mit der Trophäe an seiner Wand weitere Geschäftspartner beeindrucken.
Beide, der Junge von damals und unser Geschäftsmann heißen Jäger, aber wer ist es wirklich, wer hat das Herz der Jäger aus alter Zeit?

Zugegebenermaßen sind beide Szenarien Extreme zwischen denen heute alle Facetten der jagdlichen Entwicklung vorkommen. Doch welches ist erstrebenswert, welches spricht Sie an?

Wenn es das Bild des naturverbundenen Jungen Waldläufers ist, würden wir uns freuen, wenn Sie sich gemeinsam mit dem Team von JAGWINA auf eine spannende Reise rund um die Geheimnisse der Jagd begeben.